Gruppenbild Sommerevent

Sommerevent des Marketing Clubs Ostwürttemberg – mediterranes Sommerfeeling in Schwäbisch Gmünd

Informatives und Geselliges, aber vor allem Blühendes erwartete die Teilnehmer des diesjährigen Sommerevents des Marketing Clubs Ostwürttemberg am 17. Juli in Schwäbisch Gmünd. Die Stauferstadt ist eine von insgesamt 16 Städten und Kommunen im Remstal, die gemeinsam diese Gartenschau austragen. Nach einem ausgiebigen Stadtrundgang bei fast mediterranem Sommerflair fanden sich die Teilnehmer in der denkmalgeschützten Villa Hirzel zum Ausklang des Abends in gemeinsamer Runde ein.

 

Manfred Maile, Leiter der Stabstelle Baudezernat, begrüßte die rund 30 Gäste des Marketing Clubs an der Hauptkasse der Remstalgartenschau. Er blickte zurück auf die in Schwäbisch Gmünd organisierte Landesgartenschau von 2014 und erläuterte, was seitens der Stadt getan wurde, um nun erneut mit weiteren floralen und städtebaulichen Höhepunkten zu glänzen. So sei der urbane Stadtrundgang, der 2014 angelegt wurde, nun vollständig. Ein Teil des Leonhard-Friedhofs wurde renoviert und ist jetzt Bestandteil der Gartenschau. Neu angelegt hat die Stadt auch einen Glaubensweg.

Da die zentralen Bereiche der Gartenschau in Schwäbisch Gmünd kostenpflichtig sind, ist es der Stadt ein Anliegen, in diesen Bereichen zahlreiche Veranstaltungen zu organisieren, deren Besuch dann im Eintrittspreis enthalten ist. Dazu zählen zum Beispiel Konzerte oder Theateraufführungen am neu angelegten Remsstrand mitten im Zentrum der Stadt.

Gleich daneben liegt die Villa Hirzel, zu der Manfred Maile ebenfalls eine Anekdote parat hielt: Nach der Eröffnung des Einstein-Tunnels 2012 begann seitens der Stadt die Umgestaltung des damals maroden Gebäudes zu einem Hotel mit Restaurantbetrieb. Zuvor hatte es jedoch rege Diskussionen darüber gegeben, ob dies überhaupt realisiert werden sollte. Bei ihrem gemeinsamen Abendessen in der geschichtsträchtigen Villa konnten sich die Gäste des Marketing Clubs davon überzeugen, dass sich der Aufwand durchaus gelohnt hat.

Alte Gemäuer umrahmt von farbenfrohen Blüten-Arrangements

Der Gartenschau-Rundgang führte die Teilnehmer weiter durch den floral neu gestalteten Stadtgartenpark mit dem Weinfass der Remstal-Winzer, einem Blick auf den Leuze-Saal im Congresscentrum, der momentan als Blumenhalle genutzt wird, dem Rokoko-Schlösschen und den auffallend farbigen Wällen im Park, die verschiedene Erlebnisgärten präsentieren.

Weiter ging es vorbei am Brunnen mit dem berühmten Geiger von Gmünd, entlang der historischen Stadtmauer zum Museum im Prediger, das eine 14-tägig wechselnde Blumenausstellung zeigt. Dort konnte sich die Gruppe von der großen Kreativität der regionalen Gärtnereien überzeugen, die alle zwei Wochen zu einem jeweils neuen Motto ein Blumengesteck kreieren und gestalten. In der zweiten Etage des Museums fand sich noch die Zeit für die Besichtigung der beeindruckenden Schatzkammer mit den Nachbildungen der Reichsinsignien Kaiser Karls des Großen. Manfred Maile erklärte, dass ehrenamtlich tätige Frauen insgesamt sieben Jahre lang damit beschäftigt waren, die aufwändigen Stickereien am Reichsmantel anzubringen.

Über den Marktplatz und am Rathaus vorbei ging es weiter in die Imhofstraße, das ehemalige Judenviertel Schwäbisch Gmünds. Dort steht eines der ältesten Gebäude der Stadt, in dem eine alte Synagoge vermutet wird.

Im Königsturm erhielten die Gäste einen Einblick, wie im 17. Jahrhundert angebliche Hexen in Gewahrsam gehalten wurden.

Als letzten Punkt des Stadtrundgangs wurde der Zeiselberg erklommen, den der „Glücklichweg“ säumt. Bürger der Stadt können Steine erwerben, die entlang des Aufstiegs Teil einer Mauer sind. Hinter Glas und beleuchtet, zeigen die Steine so den Weg nach oben und symbolisieren das Gemeinsamkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger.

Während des Stadtrundgangs und beim gemütlichen Ausklang in der Villa Hirzel hatten alle Teilnehmer genügend Möglichkeiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Klar, dass weniger Marketingthemen, als vielmehr die Sehenswürdigkeiten des blühenden Schwäbisch Gmünd an diesem Abend im Vordergrund standen.

KI Kongress Teilnehmerbild

Wie KI bereits unser Leben steuert

Kommunikationskongress – In Schwäbisch Gmünd beschäftigen sich Experten mit dem Megathema Künstliche Intelligenz – und geben teils erschreckende, teils faszinierende Einblicke.

Künstliche Intelligenz (KI) ist keine Sciencefiction. Bereits heute schreiben sie Bücher oder entwerfen Werbespots. Der Streaming-Anbieter Netflix lässt seine Trailer von einer KI schneiden – vollständig nach dem Geschmack des einzelnen Nutzers zusammenstellend, wie Prof. Dr. Peter Gentsch beim vierten, von Hochschule Aalen, Marketing-Club Ostwürttemberg und SDZ.events organisierten Kommunikationskongress in der Gmünder Villa Hirzel erklärte.

Während Gentsch vor allem auf den aktuellen Stand der Technik (und deren moralischethische Dimensionen) einging, konzentrierten sich weitere Referenten auf die Umsetzung von KI bei Firmen und Kommunen. „Es ist wichtig, dass wir uns mit diesem Thema beschäftigen“, erklärt Prof. Dr. Constanze Richter von der Hochschule Aalen, eine der Organisatoren und Initiatoren.

„Künstliche Intelligenz birgt Chancen und Risiken.“ Aber: „KI wird kommen – ob wir das wollen oder nicht.“ Wie weit die Tech-Konzerne in diesem Zukunftsthema sind und welche Folgen dies hat, stellt Gentsch heraus. „Wer Daten und die KI beherrscht, kann in jeden Geschäftsbereich vordringen.“

Das hat Amazon-Chef Jeff Bezos vorexerziert – und formte seine Firma Amazon vom Online- Buchhändler zu einem alle Lebensbereiche durchdringenden Konzern. Gemeinsam mit Apple, Google und Facebook bildet Amazon die GAFA-Gatekeeper, Firmen, die für den Großteil der Nutzer das Tor zum Internet darstellen.

Wer am Tor steht, gibt die Regeln vor – und greift so viele Daten ab wie möglich. Gentsch: „Amazon ist aktuell in der Lage, bessere Ratings zu erstellen als Creditreform.“ Für den Mittelstand bedeutet das: „Die Gatekeeper schalten sich zwischen Kunde und Unternehmen.“ Und nehmen Konsumenten immer häufiger die Konsumentscheidungen ab, etwa durch intelligente Sprachdienste wie Alexa, Siri oder Google. Vor allem bei „schnellen Konsumgütern“ wie zum Beispiel Batterien oder Waschmittel könnten die Kaufentscheidungen automatisiert werden. Das würde die Macht der Konzerne mehren. Bleibt die Frage, an wen sich Marketing und Werbung dann richten sollen. Gentsch nennt das „posthumanes Marketing“, die Bedeutung von Emotionen und Marke verblasst im Angesicht der effizienten und konzerngesteuerten Algorithmen.

Der Aufstieg der KI wirft für Gentsch moralische Fragen auf. „Wer steuert die KI?“ Weder den Konzernen noch zentralen Institutionen traut er die Kontrolle über eine Super-Intelligenz zu, sondern setzt auf die Weiterentwicklung von Technologien wie Blockchain. Klar sei: „Künstliche Intelligenz hat keinen roten Not- Aus-Knopf“, sagt Gentsch und fügt nachdenklich hinzu: „Vielleicht ist Künstliche Intelligenz die letzte Innovation der Menschheit.“ Er macht aber deutlich, dass KI Chancen bietet.

Wie die in der Praxis aussehen, erklärten Referenten wie Marc Isop, dessen Unternehmen Onlim eine Plattform zur automatisierten Kundenkommunikation über Chatbots und digitale Sprachassistenten entwickelt hat. Diese seien in den Unternehmensbereichen Kundenservice, Vertrieb, Marketing sowie im IT-Bereich variabel einsetzbar und automatisiere die Kundenkommunikation. „Bots können Mitarbeiter entlasten und den Firmen Kosten sparen.“

Bei einem Kunden, einem Wiener Energieversorger, haben Bots von Onlim bislang 100 000 Konversationen abgewickelt. Bei durchschnittlichen Kosten von fünf bis sieben Euro pro Kunde, ein ordentliches Einsparpotenzial.

Manuel Schlegel, Produktverantwortlicher für Internet und neue Medien bei der Stadt Heidenheim stellte „Kora“ vor. Das ist die Abkürzung von „Kommunale Rathaus-Assistentin“ und ist ein Virtual Agent. Bürger können ihr Fragen stellen. „Kora“ antwortet, wo man was im Rathaus findet und berät zu kommunalen Angelegenheiten.

Ebenfalls aus Heidenheim kam Jürgen Pröbstle von der Heidenheimer Volksbank nach Gmünd. Er referierte über den digitalen Anlageexperten, ehe Steffen Ronft, stellvertretender Leiter am Zentrum für empirische und experimentelle BWL der DHBW Mannheim, über die Grenzen der automatisierten Kommunikation aufklärte. Denn trotz KI: Es gebe noch Dinge, die nur ein Mensch kann.

Text: Robert Schwarz

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Sicherheit – der Marketing Club Ostwürttemberg zu Gast beim Heidenheimer Sicherheitsunternehmen EOS.

EOS-Gründer Bernd Elsenhans gab den Mitgliedern des Marketing Clubs Ostwürttemberg einen Einblick in seine beeindruckende Lebensgeschichte sowie in die umfassenden Sicherheitssysteme, die den Heidenheimer Hauptsitz von EOS zu einem der sichersten Gebäude Europas machen.

Mit einer zertifizierten Sicherheitsklasse, der höchstmöglichen Sicherheitsstufe, sind die Tresoranlagen im Schweizer Gotthardmassiv die sichersten Bauwerke im europäischen Raum. Kaum zu glauben, dass der unscheinbare Hauptsitz des Heidenheimer Sicherheitsunternehmens EOS im Gewerbegebiet Tieräcker nur eine Sicherheitsklasse darunter angesiedelt und somit eines der sichersten Gebäude des Kontinents ist. Und genau in diesen „Bunker“ war der Marketing Club Ostwürttemberg am Gründonnerstag 2019 eingeladen. EOS, das sich neben dem Werk- und Objektschutz auch auf Veranstaltungsschutz, Revier- und Streifendienst sowie Alarmaufschaltung und Alarmverfolgung spezialisiert, feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.

Zwischen mehreren, teilweise meterdicken Wänden aus Brückenbaubeton lagern im Keller des Gebäudes Edelmetalle im Wert von mehreren Millionen Euro. Ein modernes Kamerasystem löst sofort Alarm aus, wenn sich mehr als drei Personen in den Tresoranlagen bewegen und kann zudem auch Gewalttaten in den überwachten Räumen als solche erkennen. Ein eigenes Wasserdepot, welches den EOS-Sitz unterirdisch wie ein moderner Burggraben umringt, spült Einbrecher, die sich per Tunnel in das Gebäude graben wollen, direkt wieder davon.

Klingt verrückt? Dieses Wort bekommt EOS-Gründer Bernd Elsenhans häufiger zu hören. Doch der gebürtige Steinheimer sieht sich eher als ambitionierten Perfektionisten. „Ich bin ein ganz Lieber, aber ich kann halt einfach nicht normal“, erklärt der 47-Jährige. „Wenn ich etwas mache, dann kann ich das nicht nur zu 95 Prozent machen. Ich muss 150 Prozent geben.“

Mit gerade einmal 18 Jahren gründete Elsenhans vor genau drei Jahrzehnten das EOS-Ausbildungszentrum. Anfänglich noch im Keller seines Steinheimer Wohnhauses angesiedelt, zog das Unternehmen im Jahr 2009 ins Gewerbegebiet Tieräcker nach Heidenheim. Außerdem leitet Elsenhans auch seit Jahren Seminare zum Thema Selbstsicherheit, mentale Stärke und Deeskalation von Gewaltsituationen. Nachdem er bei einem eigenen Einsatz als Personenschützer fast das Leben verlor, verlangte es ihm selbst physisch und psychisch einiges ab, um sich zurück ins Leben zu kämpfen. Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit sammelte, nutzt er bis heute, um Menschen dabei zu helfen, in schweren Situationen Kraft und Motivation zu schöpfen.

Nach seinem Vortrag über sein Unternehmen und sein bewegtes Leben führte Elsenhans die Mitglieder des Marketing Clubs Ostwürttemberg noch in die unterirdischen Tresoranlagen des Gebäudes, um aufzuzeigen, wie autark das Gebäude tatsächlich ist und wie man auch in Extremsituationen noch die Sicherheit vor Ort garantieren kann. Von tonnenschweren Holzpellet-Lagern über panzerfaust-sichere Kunststofffenster bis hin zu speziellen Tresoren mit präparierten Aluminiumbeschichtungen, die sich beim Aufschweißen schlagartig ausdehnen – es entstand der Eindruck, man befinde sich im Fort Knox der Ostalb.

Die Mitglieder und Gäste des Marketing Clubs Ostwürttemberg bekamen bei so vielen beeindruckenden Sicherheitskonzepten oftmals vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Und so war es natürlich nur verständlich, dass sie anschließend noch angeregt mit Bernd Elsenhans über dessen Ideen und Security-Strategien diskutierten.

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Für einen gesunden Schlaf – Beurer stellte beim Marketing Club Ostwürttemberg sein prämiertes SleepLine-Konzept vor.

Über ein Drittel der Berufstätigen in Deutschland klagen über Schlafmangel. Dies ist nur eine der Zahlen aus dem „Beurer Schlafatlas“, mit dem das Ulmer Unternehmen das Thema Schlaf untersuchte und daraus eine breite Produktpalette für besseren Schlaf entwickelte.

Mit einer elektrischen Heizdecke begann 1919 die Geschichte des Ulmer Familienunternehmens Beurer. „Heute haben wir weltweit über 1000 Mitarbeiter und ein Sortiment mit circa 500 Produkten“, sagte Marketing- Leiterin Kerstin Glanzer bei ihrer Präsentation im März 2019 im ZEISS Forum in Oberkochen, zu der der Marketing Club Ostwürttemberg eingeladen hatte.

Vom Blutdruckmessen über die Gewichtskontrolle bis zu Beauty und Baby reicht das Spektrum an Produkten und inzwischen selbstverständlich auch mit den dazugehörigen Apps. „Wo können also neue Geschäftsbereiche entwickelt werden, war bei uns die Frage“, erläuterte Glanzer. Schnell fiel das Augenmerk auf den Schlaf, denn Schlaf ist ein elementarer Bestandteil für ein gesundes Leben und das Thema war im Markt noch nicht wirklich besetzt.

Erster Schritt war dann 2015 ein Schlafsensor, der unter der Matratze platziert wird und dem Anwender Einblicke in sein Schlafverhalten gibt. Zugleich wollten die Marketingexperten in Ulm das Thema aber auch wissenschaftlich angehen und erstellten mit Schlafmedizinern eine Studie zum Schlafverhalten in Deutschland. „Unsere Studie war dabei die erste, die subjektive Befragungsergebnisse von 3.500 Personen mit objektiven Messdaten zusammenführte“, berichtete Kerstin Glanzer stolz. 560 Probanden wurden dazu mit dem Schlafsensor ausgestattet. Ergebnis der Studie war der „Beurer Schlafatlas“, der auch medial große Aufmerksamkeit erregte.

Nach und nach entstand dann die „Beurer SleepLine“, ein breites Sortiment mit 14 Produkten zur Schlafverbesserung – vom Schnarchstopper über den Luftbefeuchter bis zum Wake-up-Light. Und natürlich gehören auch Apps neben den eigentlichen Produkten zum Angebot, betonte Kerstin Glanzer. „Dafür haben wir rund 50 Ingenieure, die sich um Apps und die App- Anbindung kümmern.“

Das Konzept hat sich bewährt, ergänzte Kerstin Glanzer: „Wir sind mit der Umsatzentwicklung sehr zufrieden.“ Beeindruckt vom Erfolg waren auch die Experten. So wurde Beurer vom Marketing Club Ulm mit dem Ulmer Marketing Preis 2017 ausgezeichnet – und anschließend vom Deutschen Marketing Verband mit dem „Best of DMV 2018“ für den deutschlandweit besten regionalen Marketing-Preisträger. Der Schlafatlas sei ein absolut gelungenes Beispiel für glaubwürdiges und wirksames Content-Marketing, mit dem sich Beurer als Kompetenzführer in Sachen Schlaf als einem zentralen Eckpfeiler der Gesundheit positioniere, meinte die Jury.

Das sahen auch die Mitglieder des Marketing Clubs Ostwürttemberg und die Gäste so, die nach der Präsentation mit Kerstin Glanzer noch intensiv über die Details der Marketingstrategie, über Vertriebswege und neue Produktideen diskutierten.

Zuvor hatte der Marketing Club Ostwürttemberg seine Mitgliederversammlung 2019 abgehalten. Club-Präsident Oliver Röthel und Dr. Ursula Bilger, der geschäftsführende Vorstand, verabschiedeten dabei Klaus-Peter Betz, der sein Amt als Vorstand für Kommunikation, das er seit der Gründung des Clubs im Jahr 2000 innehatte, abgab. Zum neuen Vorstandsmitglied wählten die Clubmitglieder einstimmig Monika Theiss, die Kommunikationsleiterin von ODTV in Aalen.

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Größe gegen Vielfalt

„Auf die Größe kommt es an“, war ein Fazit Dr. Hubert Lienhards bei der Jahresauftaktveranstaltung des Marketing Clubs Ostwürttemberg am 13. Februar in der Aula der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, mit dem der Club sein Jahresprogramm mit zahlreichen Zukunftsthemen startete. Unter dem Motto „Herausforderung China“ belegte der langjährige Vorsitzende des Asien Pazifik Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Voith mit Zahlen, Fakten und persönlichen Einschätzungen die zunehmende Bedeutung Chinas als Weltmacht und stellte Thesen vor, mit denen es Europa und Deutschland gelingen könnte, auch künftig wirtschaftlich zum Land der Mitte konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit annähernd 1,4 Milliarden Menschen und einem Anteil von 17 % an der Weltwirtschaft bildet China schon heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die chinesische Regierung hat das Ziel vorgegeben, 2049 Weltmacht Nummer Eins sein zu wollen. Bis zum Jahr 2029 soll das Land Weltmarktführer in allen wesentlichen technologischen Disziplinen sein. Übertriebener Ehrgeiz? Nein – dass diese Ziele erreicht werden können, zeigte Dr. Lienhard mit eindrucksvollen Zahlen.

Unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt (Stand 2018, Quelle: Pricewaterhouse Coopers) sind mit dem Internetunternehmen Tencent und dem Online-Händler Alibaba zwei chinesische Konzerne – den Rest der Top Ten bilden US-amerikanische Unternehmen. Europäische oder gar deutsche Konzerne sucht man dagegen vergebens.

Die schiere Größe Chinas und des gesamten asiatischen Raums sei es, so Dr. Lienhard bei seinem Vortrag, die Riesenunternehmen mit gewaltiger Marktmacht ermögliche. Das unvorstellbare Potenzial des gesamtasiatischen Marktes, der zu einem großen Teil von China beeinflusst ist, wird in den kommenden Jahren immer größeren Einfluss auf deutsche und europäische Unternehmen haben.

Große Unternehmen mit starken Umsätzen können Investitionssummen in Forschung und Entwicklung tätigen, die für kleinere Unternehmen, vor allem auch den in Deutschland herrschenden Mittelstand, nicht möglich sind. Dies stärkt die chinesischen Unternehmen, während es die deutschen schwächt. Hinzu verteilt die chinesische Regierung üppige staatliche Förderungen speziell für neue Technologien oder Exporte und pflegt eine in Europa unvorstellbar einfache Regulatorik bei Kreditvergaben. Schwierige Bedingungen für den noch immer stark an den USA ausgerichteten europäischen Markt.

China hat eine Strategie, Europa sucht sie noch

„Deutschland braucht Europa, um gegen China wirtschaftlich bestehen zu können“, so der Asien-Experte Lienhard. Er räumte ein, dass Europa dafür ein selbstbewusstes, klares Verständnis von sich als Wirtschaftskraft sowie eine Strategie benötige. Bisher sei es der EU nicht gelungen, die Globalisierung als Erfolg darzustellen. Freihandelsabkommen innerhalb einer „Allianz der Gleichgesinnten“ – dazu zählen Lienhard zufolge Japan und Australien – und eine Reform des Kartellrechts seien ebenfalls zwingend nötig, um China wirtschaftlich begegnen zu können. Eine starke EU sei daher wichtig, meinte Lienhard und forderte alle Zuhörer auf, bei der Europawahl „richtig zu wählen.“

Dass Dr. Lienhard mit seinen Ausführungen zu China die Gemüter bewegte, zeigte auch die an den Vortrag anschließende Diskussionsrunde mit reger Beteiligung. Die über 100 Gäste stellten Fragen zu Themen wie Umweltschutz, Visumvergabe, der Rolle Russlands oder Indiens im weltweiten Wettbewerb oder baten um eine Einschätzung der politischen Lage oder den Risiken eines Handelskrieges zwischen den USA und China.

Zum Ausklang der Veranstaltung bot der Marketing Club den Anwesenden die Möglichkeit zu Gesprächen in geselliger Runde.

Warum die Gesundheit ein interessanter Markt ist

Das Thema ist so alt wie die Menschheit und doch immer wieder neu: Wer sich, wie die Paul Hartmann AG in Heidenheim, mit der Gesundheit und all ihren Facetten beschäftigt, sieht sich ständig neuen Herausforderungen gegenüber. Seit 200 Jahren liegt dem Unternehmen die Gesunderhaltung der Bevölkerung am Herzen. Dass sie dabei stets neue Trends und Entwicklungen beachtet oder sich selbst als Trendsetter in vielen Bereichen erweist, davon konnten sich die Mitglieder des Marketing Clubs Ostwürttemberg bei einem Vortragsabend im Kommunikationszentrum der Firma überzeugen.

Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten der Firma schilderten unter dem Titel „200 Jahre und neue Strategien“ eindrucksvoll, mit welchen Konzepten und Entwicklungen Hartmann auf die gesundheitlichen Probleme der Bevölkerung reagiert – in Kliniken und im medizinischen Alltag.

Philipp Hellmich, Senior Global Manager PR, gab zunächst einen Überblick. Rund 11 000 Mitarbeiter weltweit erwirtschafteten bei Hartmann im Jahr 2017 einen Umsatz von 2,06 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel des Umsatzes erzielte man mit dem Verkauf von Inkontinenzprodukten. Produkte für die Wundbehandlung sowie im Bereich Personal Healthcare gehören ebenfalls zum Portfolio wie ein breites Sortiment für die Infektionsverhütung, aus dem Hellmich als Beispiel kundenindividuelle OP-Sets vorstellte. Sie enthalten in kompakter Form sämtliche für eine Operation notwendigen Einzelteile in einem Paket. Die OP-Vorbereitungszeit lässt sich dadurch enorm verkürzen.

Highlight Zukunftsforum

Highlight im Jubiläumsjahr war das Hartmann Zukunftsforum 2018 im Juni, bei dem 400 Branchenexperten, darunter Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky und TV-Moderator Eckart von Hirschhausen, neue Trends diskutierten. Dabei zeigte sich auch, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland vor massiven Herausforderungen steht. Themen wie der demografische Wandel, die Digitalisierung in nahezu allen Bereichen, die Globalisierung oder der Fachkräftemangel fordern das Land und das Unternehmen seit Jahren heraus und revolutionieren das Gesundheitssystem. Natürlich macht man sich bei Hartmann längst auch Gedanken über die Engpässe im „schlecht bezahlten“ Pflegedienst. Hier müsse ein Umdenken stattfinden und die Pflegeberufe wesentlich besser bewertet und attraktiver werden. Bei der Lösung der sich daraus ergebenden Probleme gehört Hartmann weltweit ohne Zweifel zu den Meinungsführern. Die Themen des Zukunftsforums waren im Verlauf des Jahres daher auch immer wieder Inhalte der zahlreichen Kommunikationsmaßnahmen – intern und extern, in Print und online –, wie Hellmichs Kollege Dominik Plonner anhand der Kommunikationsplans erklärte.

Zu den Lösungen gehören natürlich auch innovative Produkt- und Serviceangebote. Bei der modernen Wundversorgung hat das Heidenheimer Unternehmen neue Konzepte entwickelt, wie Safinaz Ölkmez vom internationalen Marketing Wundbehandlung erläuterte. In enger Zusammenarbeit mit Spezialisten in Kliniken und niedergelassenen Ärzten wurden Verfahren wie die HydroTherapy etabliert, die mit nur zwei Präparaten alle Phasen der Behandlung chronischer Wunden abdeckt und damit die Anwendung für Ärzte und Pflegekräfte vereinfacht.

Ein einfaches Handling steht auch beim Thema Hygiene im Vordergrund, wie Sebastian Ritz aus dem Marketing von Hartmann Deutschland erklärte. Ein großes Problem ist derzeit die Verbreitung von Keimen in Krankenhäusern. Hier sieht Hartmann dringend Handlungsbedarf, denn jährlich gibt es in Deutschland mehr Infektionstote als Verkehrstote. Die Desinfektionsmittel von Hartmann gehören in den meisten Kliniken zur Ausstattung, sollten dann aber auch benutzt werden. Ärzte seien dabei nachlässiger als das Pflegepersonal, war von den Fachleuten der Firma zu hören. Mit dem Evolutionskonzept und einer speziellen App zur Beobachtung des Desinfektionsverhaltens soll die Compliance beim medizinischen Fachpersonal gesteigert werden.

Abschließend gab Sinanudin Omerhodzic als Senior Vice President Information Technology den Besuchern ein Ausblick in die Digitalisierung bei Hartmann. Dabei zeigte sich, dass die Firma sehr wohl erkannt hat, welche Chancen und Risiken sich daraus für das Unternehmen ergeben. Bei diesem Weg in die Zukunft vorne dabei zu sein, ist ganz offensichtlich das Ziel der Paul Hartmann AG.

 

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