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Größe gegen Vielfalt

„Auf die Größe kommt es an“, war ein Fazit Dr. Hubert Lienhards bei der Jahresauftaktveranstaltung des Marketing Clubs Ostwürttemberg am 13. Februar in der Aula der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, mit dem der Club sein Jahresprogramm mit zahlreichen Zukunftsthemen startete. Unter dem Motto „Herausforderung China“ belegte der langjährige Vorsitzende des Asien Pazifik Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Voith mit Zahlen, Fakten und persönlichen Einschätzungen die zunehmende Bedeutung Chinas als Weltmacht und stellte Thesen vor, mit denen es Europa und Deutschland gelingen könnte, auch künftig wirtschaftlich zum Land der Mitte konkurrenzfähig zu bleiben.

Mit annähernd 1,4 Milliarden Menschen und einem Anteil von 17 % an der Weltwirtschaft bildet China schon heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die chinesische Regierung hat das Ziel vorgegeben, 2049 Weltmacht Nummer Eins sein zu wollen. Bis zum Jahr 2029 soll das Land Weltmarktführer in allen wesentlichen technologischen Disziplinen sein. Übertriebener Ehrgeiz? Nein – dass diese Ziele erreicht werden können, zeigte Dr. Lienhard mit eindrucksvollen Zahlen.

Unter den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt (Stand 2018, Quelle: Pricewaterhouse Coopers) sind mit dem Internetunternehmen Tencent und dem Online-Händler Alibaba zwei chinesische Konzerne – den Rest der Top Ten bilden US-amerikanische Unternehmen. Europäische oder gar deutsche Konzerne sucht man dagegen vergebens.

Die schiere Größe Chinas und des gesamten asiatischen Raums sei es, so Dr. Lienhard bei seinem Vortrag, die Riesenunternehmen mit gewaltiger Marktmacht ermögliche. Das unvorstellbare Potenzial des gesamtasiatischen Marktes, der zu einem großen Teil von China beeinflusst ist, wird in den kommenden Jahren immer größeren Einfluss auf deutsche und europäische Unternehmen haben.

Große Unternehmen mit starken Umsätzen können Investitionssummen in Forschung und Entwicklung tätigen, die für kleinere Unternehmen, vor allem auch den in Deutschland herrschenden Mittelstand, nicht möglich sind. Dies stärkt die chinesischen Unternehmen, während es die deutschen schwächt. Hinzu verteilt die chinesische Regierung üppige staatliche Förderungen speziell für neue Technologien oder Exporte und pflegt eine in Europa unvorstellbar einfache Regulatorik bei Kreditvergaben. Schwierige Bedingungen für den noch immer stark an den USA ausgerichteten europäischen Markt.

China hat eine Strategie, Europa sucht sie noch

„Deutschland braucht Europa, um gegen China wirtschaftlich bestehen zu können“, so der Asien-Experte Lienhard. Er räumte ein, dass Europa dafür ein selbstbewusstes, klares Verständnis von sich als Wirtschaftskraft sowie eine Strategie benötige. Bisher sei es der EU nicht gelungen, die Globalisierung als Erfolg darzustellen. Freihandelsabkommen innerhalb einer „Allianz der Gleichgesinnten“ – dazu zählen Lienhard zufolge Japan und Australien – und eine Reform des Kartellrechts seien ebenfalls zwingend nötig, um China wirtschaftlich begegnen zu können. Eine starke EU sei daher wichtig, meinte Lienhard und forderte alle Zuhörer auf, bei der Europawahl „richtig zu wählen.“

Dass Dr. Lienhard mit seinen Ausführungen zu China die Gemüter bewegte, zeigte auch die an den Vortrag anschließende Diskussionsrunde mit reger Beteiligung. Die über 100 Gäste stellten Fragen zu Themen wie Umweltschutz, Visumvergabe, der Rolle Russlands oder Indiens im weltweiten Wettbewerb oder baten um eine Einschätzung der politischen Lage oder den Risiken eines Handelskrieges zwischen den USA und China.

Zum Ausklang der Veranstaltung bot der Marketing Club den Anwesenden die Möglichkeit zu Gesprächen in geselliger Runde.