Zukunft des gedruckten Wortes - Referent

Medienkonsum im Wandel

Podiumsdiskussion des Marketing Clubs Ostwürttemberg

„Die Zukunft des gedruckten Worts“ stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, zu der der Marketing Club Ostwürttemberg in die Stadtbibliothek Heidenheim eingeladen hatte. Auf der Bühne sprachen die Medienprofis Lydia Zebisch, Klaus Peter Betz und Martin Wilhelm darüber, ob Zeitungen oder Bücher in Zeiten digitaler Medien bald ein Relikt der Vergangenheit sind. Zahlreiche Fragen aus dem Publikum zeigten, wie sehr das Thema die Menschen bewegt.

Smartphones, Tablets und das schnelle Internet haben in den vergangenen Jahren zu gewaltigen Umwälzungen in der Medienbranche geführt. So ist die Gesamtauflage der Tageszeitungen in Deutschland seit dem Jahr 2000 um nahezu die Hälfte gesunken. Dem gegenüber steigt die Mediennutzung seit Jahren: Allein neun Stunden pro Tag verbrachte der Durchschnittsdeutsche im Jahr 2017 mit audiovisuellen Medien. 1980 waren es weniger als fünf Stunden – inklusive der Zeit fürs Lesen. Welche Folgen hat dieser Wandel des Medienkonsums für klassische Druckwerke wie Zeitungen, Zeitschriften oder Bücher? Drei Medienprofis sprachen in der neuen Heidenheimer Stadtbibliothek, wie ihre Arbeit von dieser digitalen Revolution beeinflusst wird: Lydia Zebisch, Leiterin der Stadtbibliothek Heidenheim, Klaus Peter Betz, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur ecomBETZ und Martin Wilhelm, Geschäftsführer der Heidenheimer Zeitung. Oliver Röthel, Vizepräsident des Marketing Clubs, leitete die Diskussion.

Eine ideale Einstimmung auf das Thema des Abends bildete die Führung durch den im November 2017 eröffneten Neubau der Stadtbibliothek Heidenheim. Als Gastgeberin erklärte Lydia Zebisch die Besonderheiten des vom Schweizer Architekten Max Dudler entworfenen 110 Meter langen Stahlbetonbaus. Auf rund 2040 Quadratmeter Nutzfläche bietet er Platz für rund 90.000 Medien. Das Foyer beherbergt verschiedene Veranstaltungsräume sowie ein Lesecafé. Daneben sind in dem Gebäude das Stadtarchiv, das Kreismedienzentrum des Landkreises Heidenheim und die Verwaltung der Heidenheimer Museen untergebracht.

Die Diskussionsteilnehmer streiften unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung, die sich auf Arbeiten von Medienschaffenden auswirken. Wilhelm, der das Verlagshaus der Heidenheimer Zeitung in sechster Generation leitet, betonte, dass Print mittlerweile nur noch ein Nebenprodukt sei: „Wir verkaufen kein bedrucktes Papier, sondern Nachrichten“, so Wilhelm. Es gehe vor allem darum, relevante Nachrichten interessant zu erzählen und in der passenden Form anzubieten. Die Heidenheimer Zeitung sei daher auf allen medialen Kanälen erfolgreich präsent. Um die Glaubwürdigkeit der journalistischen Arbeit zu erhalten, sei Transparenz ein zentraler Faktor, ergänzte Wilhelm – beispielsweise durch die klare Kennzeichnung von Kommentaren oder die Auflistung der Quellenangaben.

Auch die Arbeit der Bibliotheken habe sich durch die Digitalisierung verändert, unterstrich Lydia Zebisch. Vor allem Jugendliche nutzten das klassische Medienangebot immer seltener. Dafür rücke das Angebot mit digitalen Medien wie Hörbücher oder E-Books stärker in den Fokus. Zukünftig seien Online-Leihangebote ein wichtiges Standbein für die Bibliotheken. Das generelle Interesse an Mediennutzung ist nach Zebisch deutlich erkennbar.

Digitale Kommunikationskanäle sind auch für Klaus Peter Betz, Geschäftsführer der Schwäbisch Gmünder Kommunikationsagentur ecomBETZ, nur eine weitere Plattform für den Transport von Informationen. Er beschäftigt sich bereits damit, wie seine Kunden Virtual oder Augmented Reality sinnvoll einsetzen können. „Die steigende Anzahl der Kanäle bedeutet, dass eine Agentur viel stärker beratend tätig sein muss, um für den Auftraggeber einen optimalen Effekt zu erzielen“, beschrieb Betz.

Mehrfach meldete sich das Publikum im Laufe des Abends zu Wort und zeigte dabei, wie sehr die digitale Medienrevolution weite Teile der Gesellschaft bewegt und teilweise verunsichert. Die Diskussionsteilnehmer wünschten sich daher eine Schulung der Medienkompetenz. Menschen müssten beispielsweise in der Lage sein, die Glaubwürdigkeit von Nachrichten beurteilen zu können.

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